32C3: Volkswagens manipulative Diesel-Software gehackt

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Volkswagens manipulative Diesel-Software gehackt

Das Alltagsleben wird zunehmend von Software bestimmt – ohne dass wir deren Anweisungen noch verstehen können. Die 12.000 Hacker, die dem Aufruf des Chaos Computer Clubs (CCC) zum Kongress in Hamburg gefolgt sind, geben sich damit nicht zufrieden: Der Chaos Communication Congress (32c3), richtet sich in seinem diesjährigen Motto gegen „gated communities“, geschlossene Räume wie etwa das Betriebssystem eines Computers. Gleich am ersten der vier Kongresstage nimmt ein Hacker die Steuerungssoftware eines VW-Dieselmotors auseinander – und zeigt, wie dabei höhere Stickoxid-Emissionen als möglich in Kauf genommen werden.

„Wir sind Hacker, und wir kennen den Code, und im Code liegt die Wahrheit“, sagt Felix Domke zu Beginn seiner Präsentation im Hamburger Kongresszentrum. Nachdem er in diesem Jahr vom Abgasskandal bei Volkswagen gehört hatte, wollte er selbst wissen, was es mit der Software auf sich hat – zumal sein eigenes Auto zu den betroffenen Fahrzeugen gehörte. Er nahm sich die „Engine Electronic Control Unit“ (Engine ECU) des Motors vor, eine Anfertigung des Herstellers Bosch, die von Automobilherstellern an ihre jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden kann.

Mit einer speziellen Software gelang es Domke, die Software zu dekompilieren, also aus den nur für Maschinen lesbaren Anweisungen die Codezeilen herauszufischen. Ein juristisch heikles Unterfangen, weil die Software-Hersteller dies in ihren Lizenzbedingungen meist untersagen. Er habe sich aber beraten lassen, dass er in diesem Fall nichts riskiere, da es sich um sein persönliches Fahrzeug handele, sagt der Software-Experte. Schon beim ersten Blick befand Domke: „Eine sehr interessante Art, Software zu schreiben.“ Noch stutziger wurde er dann, als er sich das Verfahren zur Reduzierung der Stickoxid-Emissionen näher anschaute.

Die dafür verwendete Harnstofflösung mit dem Markennamen AdBlue wird von der Software gesteuert in den Abgasstrang eingespritzt. Domke wunderte sich über die dafür festgelegten Bedingungen: „Das Auto wird gezwungen, in einem alternativen Modell zu fahren, bei dem weniger AdBlue abgegeben wird als optimal.“ Die Vermutung des Hackers: Für die Messung von Testwerten sollen ideale Ergebnisse erzielt werden, bei längeren Fahrten und höheren Geschwindigkeiten wird an AdBlue gespart, um die Zeit bis zur fälligen Nachfüllung zu verlängern.

Begleitet wird Domke von Daniel Lange, einem ehemaligen IT-Strategen bei BMW. Bei der Messung von Emissionswerten gebe es in der Branche schon lange Verfahren, die sehr fragwürdig seien, kritisiert er. „Die Daten die bei den Tests gemessen werden, stehen in keinem Verhältnis zur Realität.“

Quelle: heise.de

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