Black Hat: Terracotta VPN nutzt gekaperte Server

Posted on Posted in SecConf

Das sogenannte Terracotta VPN bietet seinen Kunden ein international verzweigtes Netzwerk. Es leitet den Datenverkehr aber über gehackte Server – und soll so die Aktivitäten von Cyberkriminellen schützen.

Ein VPN (Virtual Private Network) vermeintlich chinesischen Ursprungs soll die von ihm im Ausland genutzten Server einfach gekapert haben. Das IT-Sicherheitsunternehmen RSA will in dem VPN Aktivitäten bekannter chinesischer Hackergruppen entdeckt haben, darunter auch Deep Panda. RSA hat das VPN Terracotta genannt. Den richtigen Namen des wohl offiziellen Anbieters nennt RSA nicht. Er soll aber in China beheimatet sein. Die gekaperten Server befinden sich unter anderem in den USA, Großbritannien und Südkorea.

Benannt nach der Terrakotta-Armee, die der erste chinesische Kaiser Qin Shi Haung in seinem Grabmahl aufstellen ließ, nutzt der unbekannte VPN-Anbieter angreifbare Windows-Server weltweit für seine Infrastruktur. Sie sollen unter anderem zu einer namhaften Hotelkette, zu Unternehmen, die im Auftrag der US-Regierung arbeiten, sowie Universitäten in Taiwan und Singapur gehören. So spart sich Terracotta-VPN nicht nur Geld, sondern bietet den wohl illegalen Aktivitäten seiner Kunden besonderen Schutz. Denn deren Datenverkehr läuft über vermeintlich legitime Server. Allein in den USA soll Terracotta-VPN 572 Server genutzt haben.

Angriffe über das Windows Management Interface

RSA beschreibt den Angriff auf die Windows-Server folgendermaßen: Zunächst starten sie einen Brute-Force-Angriff, um an das Administrator-Passwort des Servers zu kommen. Der Angriff erfolgt auf das Windows Management Interface (WMI) auf TCP-Port 135. Waren sie erfolgreich, loggen sie sich dort ein und deaktivieren die Windows-eigene Firewall. Dann wird der Telnet-Dienst installiert und aktiviert. Es folgt ein direkter Zugriff auf den Server über die Fernwartung Remote Desktop (RDP). Die Verbindung soll stets von Servern aus passieren, dessen IP-Adressen RSA in Dongguan, einem Vorort der chinesischen Stadt Guangzhou, verortet ist.

Per Remote Desktop wird zunächst das Microsoft-eigene Überwachungswerkzeug Windows Defender deinstalliert. Anschließend werden dort Remote Administration Tools (RAT) wie Gh0st oder Mitozhan installiert. Außerdem legen die Hacker einen Backdoor-Daemon auf dem Server ab, der auf Port 3422 lauscht. Zusätzlich werden oftmals weitere Konten angelegt, sie tragen unter anderem die Namen mssql oder krto. Ein paar Tage später loggen sich die Hacker wieder ein und konfigurieren den Server so, dass er Teil ihres VPNs wird.

Dass solche Angriffe unbemerkt bleiben, führen die Experten bei RSA darauf zurück, dass die gekaperten Server selbst Remote-Zugänge oder VPN-Dienste nutzen. Bemängelt wird, dass die von RSA entdeckten Server allesamt nicht durch eine Hardware-Firewall geschützt waren.

Quelle: golem.de

Facebooktwittergoogle_plus